Dienstag, 1. März, 20.00 Uhr

Thomas Rosenboom


Fordere nie einfach eine Dame auf … Suche immer zuerst Augenkontakt … Meidet sie deinen Blick, dann respektiere, daß sie nicht will … so behält sie ihre Freiheit und du ersparst dir den Gesichtsverlust der Ablehnung … Der Salon bleibt ein Schlachtfeld, aber dieser Code aus Buenos Aires hält das Leiden noch halbwegs in Grenzen …
                                                                  Thomas Rosenboom


Thomas Rosenboom, 1956 geboren, gehört in den Niederlanden zu den meistgelesenen Autoren seiner Generation. Vor einem Jahr erschien in der deutschen Übersetzung von Marlene Müller-Haas sein Roman »Neue Zeiten« und in diesem Frühjahr der Roman »Tango« (beide in der Deutschen Verlagsanstalt). Thomas Rosenboom liest aus diesen Büchern. Einführung: Jan Konst.

Zusammen mit der Niederländischen Botschaft in Berlin

 

Samstag, 5. März, 20.00 Uhr

Das Echolot. Abgesang ’45. Ein kollektives Tagebuch


Unser Film ist zwar schon abgelaufen, aber es liegen andere bereit, die wir alle noch sehen werden, wieder und wieder werden es Bilder von Krieg und Blutvergießen sein, ein Ende der Vorstellung ist nicht in Sicht: Die Hochhäuser brennen schon.
                                                                  Walter Kempowski


Im Jahre 1993, fünfzig Jahre nach der Schlacht bei Stalingrad, erschien Walter Kempowskis erste große Texcollage, das kollektive Tagebuch »Echolot«, das sogleich als eine der größten literarischen Leistungen gefeiert wurde. 1999 erschien »Das Echolot. Fuga furiosa. Winter 1945« und 2002 »Das Echolot. Barbarossa ´41«, der Teil des Projektes, in dem Hitlers Überfall auf die Sowjetunion rekonstruiert wird. In diesem Frühjahr »Das Echolot. Abgesang ´45«, der Band, über die Zeit vom 20. April bis zum 9. Mai 1945. Aus der Perspektive des Autors wird dieses nunmehr seit über zwanzig Jahren betriebene Projekt, durch einen Tagebuch- und Kommentarband ergänzt, der parallel zu diesem letzten Band der »Echolot«-Reihe erschienen ist: »Culpa. Notizen zum Echolot« (Albrecht Knaus Verlag). Walter Kempowski liest aus »Abgesang ’45«.

 

Sonntag, 6. März, 11.00 Uhr

Erlesene Sonntage 3
Kinder- und Familien-Matinée für Geschichten-Liebhaber

aufgewachsen – Geschichten von Mutter, Vater, Kind.
Mit Silke Fokken und Tina Kemnitz

Silke Fokken, Literaturwissenschaftlerin und Journalistin, präsentiert gemeinsam mit anderen Expertinnen Klassiker der Kinderliteratur, moderne Kinderromane und Geschichten, Bilderbücher und Hörkassetten auf besondere – sinnliche und spielerische – Weise. Einmal im Monat wird immer wieder sonntags aufgespürt – aufgetischt – umgereimt – abgetaucht – abgefahren – zugehört – vorgefühlt – ausgebüxt – angeheuert und aufgewachsen.

Für Kinder ab 6 Jahren. Eintritt frei
Wir bitten um Anmeldung: 887 28 60

Gemeinsam mit LesArt – Berliner Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur

 

Donnerstag, 10. März, 20.00 Uhr

Ravan & Eddie


Er hielt nichts zurück, er legte alles, was er hatte, in den Gesang. Seine Stimme war so offen, so arglos wie er selbst. Sie erinnerte sie an den blauen Himmel über ihrem Dorf. Sie war unvorstellbar blau, sie war voll, sie war höher als die Sonne und sie tanzte. Sie erinnerte sie an den Wind auf dem Hügel ihres Dorfes und das Grün, das sich unendlich hindehnte.

                                                                  Kiran Nagarkar


Kiran Nagarkar, 1942 in Bombay geboren, ist Autor mehrerer Romane, Theaterstücke und Drehbücher. Für seinen Roman »Krishnas Schatten«, der 2002 in deutscher Übersetzung erschienen ist, erhielt er die höchste Auszeichnung der indischen Literaturakademie. Kiran Nagarkar liest zusammen mit Friedhelm Ptok aus seinem 2004 in der deutschen Übersetzung von Giovanni und Ditte Bandini erschienenen Roman »Ravan & Eddie« (A1 Verlag).

Eine Veranstaltung von literaturhaeuser.net

 

Freitag, 11. März, 20.00 Uhr

Junges Licht


Hinter einer Kehre, wo ein ausrangierter Schrapper stand, fiel die Sohle steiler ab, gut fünfundzwanzig Grad. Hier waren die Schienen einbetoniert, und er setzte sich auf sein Arschleder und rutschte die Strecke ein Stück weiter bergab, wobei er die Geschwindigkeit mit den Absatzeisen bremste. Unten stand das Wasser knöchelhoch und lief ihm schon nach wenigen Schritten in die Schuhe. Er schlurchte zu den ersten Stempeln des Strebs, zog den kleinen Hammer aus der Zollstocktasche und klopfte die Stahlkappen ab …

                                                                  Ralf Rothmann


Ralf Rothmann, 1953 in Schleswig geboren, ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und lebt seit 1976 in Berlin. Seit seinem ersten Gedichtband »Kratzer« (1984) hat Ralf Rothmann zahlreiche Romane und Erzählungen veröffentlicht; zuletzt den Roman »Milch und Kohle« (2000), den Gedichtband »Gebet in Ruinen« (2000), den Erzählband »Ein Winter unter Hirschen« und die Romane »Hitze« (2003) und »Junges Licht« (2004) – alle im Suhrkamp Verlag. Ralf Rothmann liest aus seinem zuletzt erschienen Roman.

 

Dienstag, 15. März, 20.00 Uhr

Neue litauische Dichtung


ist dieser platz besetzt frag ich / oder der hocker an der bar / tschuldigung // sind sie besetzt / schade kann man nichts machen / wart ich eben auf eine andere // ist dieses gedicht frei / nein nein ich wollte nur / nicht so wichtig …

                                                                Eugenijus Alisanka


Kornelijus Platelis (geb. 1951), Sigitas Parulskis (geb. 1965) und Eugenijus Alisanka (geb. 1960), drei von neun litauischen Dichtern, die das Heft 216 der Zeitschrift »die horen« vorstellt, lesen aus ihren Gedichten. Claudia Sinning, die Übersetzerin der Gedichte von Kornelijus Platelis und Sigitas Parulskis, liest die deutschen Texte. Moderation: Katharina Narbutovic

In Zusammenarbeit mit Books from Lithuania

 

Mittwoch, 16. März, 20.00 Uhr

Der Eisvogel


… ein arbeitsloser, nicht sonderlich gutaussehender Philosoph auf Stellen- und Partnerjagd, um den, glaubte er, alles in Bewegung geraten war, ein wohl befremdend wirkender Geselle, ich haßte Ironie, konnte sie nicht ausstehen, die Ironiker glaubten an nichts, haben nichts, bezweifeln alles, tunken alles in die saure Soße ihrer scheinbar mit einem Lächeln versüßten Skepsis, geben alles der Lächerlichkeit preis, sind aber im Grunde nur zynisch, Zyniker […] bauen keine Kathedralen…

                                                                Uwe Tellkamp


Uwe Tellkamp, 1968 in Dresden geboren, studierte Medizin und arbeitete als Arzt in einer unfallchirurgischen Klinik. Sein erster Roman »Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Café« erschien 2000; im vergangenen Jahr erhielt er den Ingeborg Bachmann-Preis in Klagenfurt. Der soeben erschienene Roman »Der Eisvogel« erzählt die dramatische Geschichte eines Sohnes, dessen Leben an seiner Kompromißlosigkeit und seinen maßlosen Ansprüchen zerbricht. Uwe Tellkamp liest aus »Der Eisvogel« Moderation und Gespräch: Gregor Dotzauer.

 

Mittwoch, 23. März, 20.00 Uhr

Die Dada-Baroness
Die wilde Kunst der Elsa von Freytag-Loringhoven


Ausstellung der edition ebersbach und des Literaturhauses Berlin

Als in Europa der 1. Weltkrieg tobte und die internationale Avantgarde New York City zu ihrer neuen Metropole erklärte, mischte sich auch die 1874 als Else Hildegard Plötz in Swinemünde geborene, nunmehr als von Freytag-Loringhoven verheiratete deutsche Dichterin und Künstlerin mit Boddy-Art-Aktionen, Ready-Mades und Gedichten unter die internationalen Künstler: Man Ray, Juliette Roche, Gabrielle Buffet, Francis Picabia und Walter Arensberg. James Joyce und Ezra Pound setzten sich mit ihr auseinander; William Carlos Williams scheint eher unter ihr gelitten zu haben; Ernest Hemingway und Ford Maddox Ford förderten sie ebenso wie ihre Freundin Djuna Barnes. Und davor hatte sie mit den Münchner Kosmikern geflirtet, den Architekten August Endell und den Übersetzer und Schriftsteller Felix Paul Greve geheiratet und wieder verlassen sowie als Aktmodell und Revuegirl gearbeitet. Die Ausstellung zeigt Leben und Werk der „Dada-Baroness“ und holt sie zurück in die Stadt, in der sie unbekannt 1923 auf der Straße Zeitungen verkaufte.

24. März – 8. Mai 2005
Geöffnet täglich 11.00 – 19.00 Uhr
Eintritt 3,-/5,- Euro

Zur Eröffnung sprechen:
Begrüßung: Ernest Wichner
Zur Ausstellung: Irene Gammel und Gisela Baronin Freytag von Loringhoven

Gefördert vom Hauptstadtkulturfonds

 

Dienstag, 29. März, 20.00 Uhr

Die Dada-Baroness
Die wilde Kunst der Elsa von Freytag-Loringhoven


Elsa von Freytag-Loringhoven war nicht nur eine der schillerndsten Figuren des New York Dada, sondern auch eine innovative Dichterin. Wenn ihr die Worte fehlten, bildete sie neue: Unterleibstiegel, Phalluspistole oder Jungfernlolly. Sie schrieb auf Englisch und auf Deutsch, mitunter das gleiche Gedicht auch in beiden Sprachen. Auch forderte sie eine eigene Interpunktion, die es ihr erlaubt hätte, Emotionen in Freudenzeichen – joymarks – auszudrücken.

Irene Gammel, im Saarland aufgewachsen und als Professorin und Canada Research Chair in Modern Literature and Culture an der Ryerson University in Kanada (Toronto) tätig, hat zehn Jahre lang intensiv zu Elsa von Freytag-Loringhoven geforscht. Sie ist Autorin einer Biographie über Elsa von Freytag-Loringhoven und die Herausgeberin und Übersetzerin ihrer Gedichte; sie stellt die Dichterin Elsa von Freytag-Loringhoven vor. Sabine Falkenberg liest die deutschen Gedichte.

Gefördert vom Hauptstadtkulturfonds

 

Mittwoch, 30. März, 20.00 Uhr

Die Dada-Baroness
Die wilde Kunst der Elsa von Freytag-Loringhoven


ich wurde für verRückt gehalten
Performance zum Leben der Dada-Baroness

Konzept/Inszenierung/Multimedia: Ingrid L. Ernst
Performer: Ellen Friis, Dressdesign: Hubert Majewski

Die Figur der Elsa von Freytag-Loringhoven, die sich einmal als Prunkfrucht bezeichnete, steht im Spektrum der Betrachtung und Beschreibung in diesem multimedialen Stück für die arme denk bühne.
In unverwechselbaren Schriftzügen hat die Baroness ihre Sehnsucht nach Schönheit und Entgrenzung in einem permanenten Schreiben zum Bestandteil ihres leidenschaftlichen Lebens gemacht. »It is written like half mad in syntax«, schreibt Elsa in einem Brief an ihre geliebte Freundin Djuna Barnes und »I cannot tell events, but be carried by emotion into a fancy world of spiritual reality – as you know«.

Gefördert vom Hauptstadtkulturfonds

 

Donnerstag, 31. März, 20.00 Uhr

Jenseits von Epirus


Nach jedem Warum mußt du das Warum aller Warum suchen. Dort findest du immer mehr als die halbe Antwort und vielleicht die ganze Wahrheit. Er bestand darauf wie ein Lehrer, bei jedem möglichen Anlaß kam er auf diese Worte zurück. Er hielt es für äußerst wichtig, daß wir, wenn etwas Schwieriges auf uns zukam, nicht bedenkenlos nach einfachen Antworten suchten, die eine provisorische Erklärung geben, die Dinge verschleiern und mit Leichtigkeit die Schuld anderen zuschieben…

                                                                Nikos Themelis


Nikos Themelis ist 1947 in Athen geboren, er hat in Thessaloniki und Köln Jura studiert und war von 1995 bis 2004 Berater des griechischen Ministerpräsidenten. In seinem 1998 erschienenen Roman »Jenseits von Epirus« entwirft er anhand der Geschichte seines eigenen Großvaters ein breit gefächertes Bild der griechischen Gesellschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert. Nikos Themelis liest aus seinem von Norbert Hauser übersetzten Roman; den deutschen Text liest Peter Becker.

 

 

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