Stefan Zweigs "Schachnovelle" | Ausstellung. Ab 27. Juli 2017
07 Apr  Freitag
20:00 h Großer Saal

FRAGILE. Europäische Korrespondenzen 2

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Genau heute vor 26 Jahren, am 16. Juni 1989, wurden der 1958 am selben Tag hingerichtete Ministerpräsident Imre Nagy und die anderen Märtyrer der Vergeltungsjustiz nach der Niederschlagung der Revolution von 1956 feierlich neu bestattet. Es war der kathartischste und erhabenste Augenblick in der jüngsten ungarischen Geschichte, eine Zäsur, ein Moment des Neubeginns. Es gab eine große Menschenmenge auf dem Budapester Heldenplatz, in fünf Särgen lagen die Leichname der vor 32 Jahren hingerichteten Politiker, der sechste Sarg war leer. Der junge Redner, der im Namen der jungen Generationen sprach, hieß Viktor Orbán. Er sagte, im leeren Sarg sei die Jugend begraben. Wie ein Freund von mir neulich feststellte, konnte man damals noch nicht wissen, dass es nicht nur seine Meinung, sondern sein späteres Regierungsprogramm gewesen ist.
[László Györi an Ingo Schulze]

Unter dem Titel »FRAGILE. Europäische Korrespondenzen« sind 28 Autorinnen und Autoren aus den Ländern Europas vom Netzwerk der Literaturhäuser eingeladen, in einen mehrmonatigen Austausch einzutreten: Sie schreiben in einem Briefwechsel mit einem Partner ihrer Wahl über aktuelle gesellschaftliche, kulturelle oder politische Themen, die ihnen kostbar und wertvoll erscheinen und die ihrer Meinung nach auf dem Prüfstand stehen, deren Zerstörung oder Infragestellung droht.

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Ingo Schulze, geboren 1963 in Dresden, lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Zuletzt veröffentlichte er »Unsere schönen neuen Kleider. Gegen eine marktkonforme Demokratie – für demokratiekonforme Märkte« (2012) und »Henkerslos. Ein Märchenbrevier« (2013).

 

laszlogyoeri 133x1782xLászló Győri, geboren 1954 in Budapest, ist Übersetzer und Kulturjournalist. Er hat viele Jahre lang das Literaturprogramm des Ungarischen Rundfunks betreut. Nach den Parlamentswahlen 2010 wurde er im Laufe der politischen Säuberungen bei den ungarischen öffentlich-rechtlichen Medien entlassen. Gegenwärtig arbeitet er als Redakteur bei der Musikzeitschrift Muszika. Neben seiner journalistischen Arbeit ist László Győri auch als Übersetzer aus dem Deutschen und Englischen tätig.


Ingo Schulze und László Györi lesen aus ihrem Briefwechsel.

Ein Projekt des Netzwerks der Literaturhäuser, gefördert von der Robert Bosch Stiftung und ARTE

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arteKulturpartner des literaturhaus.net

Eintritt: 5,- / 3,- €

Aktuell

Das Kulturradio vom rbb und das Literaturhaus Berlin schreiben den Walter-Serner-Preis 2017 aus.

Autorinnen und Autoren sind eingeladen, bis zum 30. September 2017 unveröffentlichte Kurzgeschichten einzusenden, die vom „Leben in den großen Städten“ erzählen.
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